Schultheiß Projektentwicklung insolvent: Was wird aus den Nürnberger Bauprojekten?

Nürnberg Immobilien Wirtschaft

Die Schultheiß Projektentwicklung AG aus Nürnberg hat Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Nürnberg hat am 5. Oktober 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Betroffen sind laufende Bauvorhaben, geplante Wohnquartiere und eine Reihe von Projektgesellschaften. Eine besondere Rolle spielt dabei die ECKPFEILER Immobilien Gruppe, mit der Schultheiß mehrere Vorhaben gemeinsam entwickelt.

Die Schultheiß Projektentwicklung AG hat beim Amtsgericht Nürnberg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Gericht führt das Verfahren unter dem Aktenzeichen IN 1530/26. Am 5. Oktober wurde die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Nürnberger Rechtsanwalt Dr. Jochen Zaremba bestellt. Verfügungen der Schultheiß Projektentwicklung AG bedürfen seither grundsätzlich seiner Zustimmung.

Das Insolvenzverfahren ist damit noch nicht eröffnet. Zunächst wird geprüft, ob die Voraussetzungen für die Eröffnung vorliegen und wie das Unternehmen und seine Vermögenswerte fortgeführt oder verwertet werden können. (Stand 6.10.2026)

Nach Angaben der Nürnberger Nachrichten sind rund 90 Beschäftigte betroffen. Auf den Baustellen des Unternehmens ruht die Arbeit zunächst. Der vorläufige Insolvenzverwalter hat zugleich erklärt, Kunden und Handwerker sollten zunächst Ruhe bewahren.

Nicht betroffen ist die SCHULTHEISS Wohnbau AG. Das Unternehmen ist rechtlich von der Schultheiß Projektentwicklung AG unabhängig und hat dies angesichts der Namensähnlichkeit ausdrücklich klargestellt.

Laufende Bauvorhaben

Für die unmittelbaren Auswirkungen sind zunächst die Projekte relevant, bei denen Schultheiß bereits mit dem Bau begonnen hat.

Schwabacher Straße, Nürnberg-St. Leonhard

In der Schwabacher Straße entstehen 20 Eigentumswohnungen. Das Gebäude liegt rund 150 Meter vom U-Bahnhof St. Leonhard entfernt. Nach Angaben von Schultheiß wurde mit dem Bau begonnen; als Stand des Baufortschritts wird August 2026 angegeben. Die Bezugsfertigkeit war für Ende März 2027, die Gesamtfertigstellung für Ende April 2027 vorgesehen.

PARKLIFE, Nürnberg-Gebersdorf

Beim Projekt PARKLIFE in Gebersdorf ist der Rohbau nach Angaben des Unternehmens bereits fertig. Vorgesehen sind Eigentumswohnungen mit zwei bis vier Zimmern. Auch dieses Vorhaben befindet sich damit in einem deutlich fortgeschrittenen Stadium.

Der Sailersberg, Röthenbach an der Pegnitz

Am Sailersberg entstehen 16 Eigentumswohnungen. Auch hier wurde bereits gebaut. Das Projekt gehört damit zu den Vorhaben, bei denen sich unmittelbar die Frage stellt, ob und unter welchen Bedingungen die Baustelle nach der vorläufigen Sicherung des Unternehmens fortgeführt werden kann.

Für die Käufer dieser Wohnungen ist entscheidend, dass die einzelnen Projekte rechtlich und wirtschaftlich nicht zwangsläufig identisch mit der insolventen AG sind. Bei Bauträgerprojekten werden Grundstücke und Bauvorhaben häufig über eigene Projektgesellschaften gehalten. Deshalb muss für jedes Projekt gesondert geprüft werden, wem das Grundstück gehört, wer die Finanzierung gestellt hat und welche Gesellschaft Vertragspartner der Käufer ist.

Großgründlach: 25 Wohnungen, aber noch kein Baubeginn

Eine andere Situation besteht bei den Gründlacher Gärten in Nürnberg-Großgründlach.

Schultheiß entwickelt das Projekt gemeinsam mit der ECKPFEILER Immobilien GmbH. Im ersten Bauabschnitt sind zwei Mehrfamilienhäuser mit 25 Eigentumswohnungen vorgesehen. Die aktuelle Projektseite von Schultheiß weist für September 2026 ausdrücklich aus: Die Baugenehmigung liegt vor, mit dem Bau wurde aber noch nicht begonnen. Als geplante Bezugsfertigkeit wird April 2028 genannt.

Damit gehört das Projekt nicht zu den Baustellen, auf denen die Insolvenz unmittelbar einen bereits laufenden Bau unterbricht. Seine weitere Entwicklung hängt vielmehr davon ab, wie die Beteiligungen der beiden Projektpartner und die Finanzierung geregelt werden.

Pretzfelder Straße: 118 geförderte Wohnungen

Für die Entwicklung an der Pretzfelder Straße in Nürnberg nennt Schultheiß 118 geförderte Wohnungen sowie eine viergruppige Kindertagesstätte.

Auch dieses Projekt ist noch nicht mit einer fertiggestellten Wohnanlage gleichzusetzen. Auf der Investmentseite von Schultheiß wird ein Baubeginn bereits für das vierte Quartal 2024 genannt. Unabhängig davon ist für die Beurteilung der Insolvenz entscheidend, welche Projektgesellschaft Eigentümerin des Grundstücks ist und welche Beteiligungsrechte Schultheiß und seine Partner daran besitzen.

Das Projekt ist deshalb von der Insolvenz betroffen, seine endgültige Aufgabe folgt daraus aber nicht.

Weitere geplante Projekte

Neben den laufenden beziehungsweise genehmigten Vorhaben weist Schultheiß eine umfangreiche Projektpipeline aus.

Dazu gehören unter anderem:

Projekt Wohnungen Stand
Volkacher Straße / Gründlacher Gärten, Nürnberg 49 im ersten Bauabschnitt genehmigt, noch nicht begonnen
Pretzfelder Straße, Nürnberg 118 geplant
Bubenreuth Mitte 330 Projektentwicklung
Himmelweiher, Rothenburg ob der Tauber 220 Projektentwicklung
Am Landgraben, Nürnberg-Röthenbach 36 noch nicht begonnen
Bibertstraße, Nürnberg-Gebersdorf 16 geplant
Härleinstraße, Nürnberg-Mühlhof 15 geplant

Die Angaben stammen aus der aktuellen Projektübersicht der Schultheiß Projektentwicklung beziehungsweise den jeweiligen Projektunterlagen. Sie beschreiben jedoch keine Zahl von Wohnungen, deren Bau durch die Insolvenz zwangsläufig ausfällt. Bei den meisten dieser Vorhaben handelt es sich um Grundstücke oder Projekte in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Für die regionale Wohnungsversorgung ist diese Unterscheidung wesentlich. Eine geplante Wohnung ist noch kein Wohnungsangebot. Zwischen Grundstückskauf, Baurecht, Baugenehmigung, Finanzierung und tatsächlichem Baubeginn können mehrere Jahre liegen.

Bubenreuth: 330 Wohnungen

Zu den größeren Vorhaben gehört Bubenreuth Mitte. Auf einer Fläche von rund 34.000 Quadratmetern ist ein Quartier mit 330 geförderten und frei finanzierten Wohnungen vorgesehen. Ergänzend sind eine Kindertagesstätte, ein Seniorenzentrum und Gewerbeflächen geplant.

Schultheiß führt das Vorhaben weiterhin als Projektentwicklung. Der geplante Baubeginn war für 2025 angegeben. Ob und in welcher Form das Projekt nach der Insolvenz fortgeführt wird, hängt unter anderem von der Eigentümer- und Beteiligungsstruktur sowie von der Finanzierung ab.

Himmelweiher in Rothenburg

In Himmelweiher bei Rothenburg ob der Tauber plant Schultheiß 220 geförderte Wohnungen und eine achtgruppige Kindertagesstätte. Auch dieses Vorhaben befindet sich noch in der Entwicklung.

Für Nürnberg selbst ist das Projekt zwar weniger unmittelbar relevant. Es zeigt aber die Größenordnung der Projektpipeline, die von der Insolvenz betroffen sein kann.

Die Rolle von ECKPFEILER

Eine besondere Stellung nimmt die ECKPFEILER Immobilien Gruppe ein. Das Unternehmen arbeitet seit Jahren mit Schultheiß zusammen und ist an mehreren gemeinsamen Projektentwicklungen beteiligt.

ECKPFEILER und Schultheiß haben unter anderem die Entwicklung von Flächen im Nürnberger Norden gemeinsam betrieben. Die Zusammenarbeit reicht bis in das Jahr 2018 zurück.

Bei den Gründlacher Gärten treten beide Unternehmen gemeinsam als Projektpartner auf. Auch bei der Entwicklung der Grünen Mitte Wetzendorf bestehen Verbindungen über gemeinsame Projektgesellschaften.

Diese Struktur ist für das Insolvenzverfahren von Bedeutung. Die Insolvenz der Schultheiß Projektentwicklung AG bedeutet nicht automatisch, dass eine gemeinsame Projektgesellschaft insolvent ist. Vielmehr muss für jedes einzelne Unternehmen geprüft werden, welche Beteiligung Schultheiß hält und welche Vermögenswerte dort liegen.

Grüne Mitte Wetzendorf

Die Grüne Mitte Wetzendorf gehört zu den größeren geplanten Wohnungsbauvorhaben im Nürnberger Norden. Auf rund zehn Hektar soll ein neues Quartier mit insgesamt etwa 1.200 Wohnungen entstehen.

An einzelnen Grundstücken beziehungsweise Projektgesellschaften sind ECKPFEILER und Schultheiß gemeinsam beteiligt. Das bedeutet nicht, dass sämtliche 1.200 Wohnungen mit der Insolvenz der Schultheiß Projektentwicklung AG gefährdet wären. Das Quartier besteht aus mehreren Grundstücken und Beteiligungsstrukturen.

Für die weitere Entwicklung wird daher entscheidend sein, wie der Anteil der Schultheiß-Gruppe an den jeweiligen Gesellschaften behandelt wird.

Was ECKPFEILER tun könnte

Eine vollständige Übernahme der Schultheiß Projektentwicklung AG durch ECKPFEILER ist derzeit nicht bekannt und wäre eine andere Transaktion als die Übernahme einzelner Projekte.

ECKPFEILER könnte grundsätzlich Beteiligungen an Projektgesellschaften oder einzelne Grundstücke erwerben. Bei gemeinsamen Projekten wäre ein solcher Schritt besonders naheliegend, weil das Unternehmen die Grundstücke, Planungen und bisherigen Entwicklungsschritte bereits kennt.

Ob es zu solchen Transaktionen kommt, ist derzeit offen.

Für den Insolvenzverwalter gilt dabei der Grundsatz, die Interessen der Gläubiger zu wahren. Eine Beteiligung kann deshalb nicht allein deshalb an ECKPFEILER übertragen werden, weil beide Unternehmen bereits zusammengearbeitet haben. Maßgeblich wären die rechtlichen Eigentumsverhältnisse, die Finanzierungen, bestehende Verträge und der erzielbare Verkaufspreis.

Was jetzt mit den Projekten geschieht

Für die laufenden Baustellen wird zunächst die wirtschaftliche Situation der jeweiligen Projektgesellschaften zu klären sein. Dabei geht es vor allem um die Finanzierung, die Eigentumsverhältnisse an den Grundstücken und die bestehenden Verträge mit Käufern, Banken und Bauunternehmen.

Bei Projekten, mit deren Bau noch nicht begonnen wurde, ist die Situation anders. Dort kann ein Verkauf der Grundstücke oder der Projektgesellschaft an einen anderen Entwickler eine Möglichkeit sein. Das Projekt muss dadurch nicht zwangsläufig aufgegeben werden.

Gerade bei Grundstücken mit bestehendem Baurecht können solche Projekte für andere Bauträger interessant sein. Der neue Eigentümer müsste allerdings die Finanzierung unter den heutigen Bedingungen neu kalkulieren.

Noch kein Schlussstrich unter die Projekte

Die Schultheiß-Insolvenz bedeutet daher nicht, dass die auf den Unternehmensseiten genannten Wohnungen nun vom Markt verschwinden.

Sicher ist zunächst nur, dass das Unternehmen ein Insolvenzverfahren beantragt hat und das Amtsgericht Nürnberg eine vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet hat. Dr. Jochen Zaremba ist als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Das Verfahren befindet sich damit noch in einer frühen Phase.

Bei den bereits begonnenen Bauvorhaben muss sich zeigen, ob und wann die Arbeiten wieder aufgenommen werden können. Bei den geplanten Projekten wird es darauf ankommen, welche Grundstücke und Projektgesellschaften im Eigentum der Schultheiß-Gruppe stehen und welche davon veräußert oder mit neuen Partnern weiterentwickelt werden können.

Für Nürnberg ist deshalb vor allem die weitere Entwicklung der Grundstücke und Projektgesellschaften von Bedeutung. Erst wenn feststeht, welche Projekte fortgeführt, verkauft oder aufgegeben werden, lässt sich beurteilen, wie groß die Auswirkungen auf den Wohnungsbau in der Stadt und in der Region tatsächlich sind.